Author: Fridolin Schuster

  • Meditation:Dialog

    Meditation:Dialog

    Im Spannungsfeld von Konflikt und innerem Frieden

    Kursbeschreibung

    Als Menschen stehen wir mitten im Wechselspiel zwischen dem, was uns innerlich bewegt, und dem, was um uns herum geschieht – einem Wechselspiel, das tatsächlich oder in unserer Wahrnehmung stetig komplexer und schneller wird. Im Fluss des Alltags greifen wir dabei oft auf vertraute Muster zurück und erleben uns mal kraftvoll und klar, mal gleichgültig, allein oder überwältigt.

    „Ich bin der Auffassung, daß es die Möglichkeit zur Transformation der Natur des Bewußtseins gibt, auf der individuellen wie auf der kollektiven Ebene. Ob dies kulturell und sozial erreicht wird, hängt ab vom Dialog.”
    — David Bohm

    Meditation:Dialog verbindet die innere Sammlung des Zazen mit achtsamer, an Yoga angelehnter Körperarbeit und einfühlsam begleiteten Dialogräumen. So entsteht ein Raum, in dem wir in Verbindung kommen und lauschen können – auf uns selbst und das Eigene, aufeinander und auf das, was im Miteinander und dazwischen entsteht.

    Wir öffnen einen geschützten Rahmen, in dem Stille, Dialog und Begegnung einander tragen. Wir praktizieren Zazen in Einheiten von 20-25 Minuten, üben Kinhin, und vertiefen die Achtsamkeit im Körper durch Atmung, Erdung, sowie sanfte Mobilisation. Ebenso kultivieren wir Achtsamkeit im Gespräch. Ein- bis zweimal täglich öffnen wir Dialogräume, inspiriert von Art of Hosting, Tiefer Demokratie, systemischer Prozessbegleitung und friedenspädagogischer Praxis. Schweigezeiten, einfache Rituale und achtsame Mahlzeiten unterstützen die Sammlung. Kurze Impulse führen in Themen wie Verbundenheit, (Selbst-)Mitgefühl, den Umgang mit Widerständen sowie (Selbst-)Verantwortung ein.

    Kurscharakter: kontemplativ, erfahrungsorientiert, dialogbasiert und dogmenfrei und im Einklang mit der Dietfurter Tradition des Zazen und der franziskanischen Einfachheit. Er orientiert sich am Zazen-Einführungskurs.

    Zielgruppen

    Bereitschaft zum ganztägigen Schweigen (außerhalb der Dialogzeiten) wird vorausgesetzt.

    Menschen mit und ohne Meditationserfahrung, die Stille, Achtsamkeit und Dialog als Wege zu innerem und (äußerem) Frieden erforschen möchten.

    Fach- und Führungskräfte aus Bildung, Sozial- und Gemeinwesenarbeit, NGOs, Seelsorge und Gesundheitsberufen

    Studierende und Alumni der Friedens- und Konfliktforschung, sowie Praktiker*innen der Dialog-, Friedens-, und Konfliktarbeit.

    Angebotsvarianten

    Alle Varianten beinhalten achtsame Mahlzeiten, kurze Impulse, Meditation (20–25 Min.), Kinhin, angeleitete Körperarbeit und Dialogeinheiten sowie die Möglichkeit zu kurzen Einzelgesprächen mit der Kursleitung.

    Beschriebene Varianten werden den Gegebenheiten des Austragungsortes angepasst.

    Vertiefungsretreat

    1 Woche
    (6 Nächte)

    Erweiterter Praxisbogen: Meditation, Körperarbeit und 1-2 Dialogfenster täglich; Einzelgespräche möglich.

    Kernformat

    Erste/Zweite Hälfe der Woche
    (3 Nächte)

    Ausgewogene Balance von Meditation, Körperarbeit und 1–2 Dialogfenstern täglich; Einzelgespräche möglich.

    Einführungs- &
    Kennenlernformat

    Wochenende
    (2 Nächte)

    Meditation, Körperarbeit und 1 Dialogfenster täglich.

    Grundsätzlich gilt Schweigen während des gesamten Kurses bis zum Sonntag, ausgenommen während der Vortragszeit im Vortragsraum und Dialogeinheiten. Wer ein Gespräch mit den Kursleitenden wünscht, kann einen Termin vereinbaren.

    Geeignet für Einsteiger*innen und Fortgeschrittene.

    Leitung / Vorstellung

    — folgt ihrer Neugier für ganzheitliche Ansätze, die Menschen mit sich selbst und miteinander verbinden, das friedliche Miteinander nähren und soziale Beziehungsnetze stärken.

    Gestaltung und Begleitung der Dialogräume – ressourcen-orientiert, diskriminierungs- und konfliktsensibel, traumainformiert und ein Gefühl der Verbundenheit mit sich und anderen nährend.

    Als Systemische Beraterin, Trainerin und Projektleitung in Friedenspädagogik, begleitet Einzelpersonen und Gruppen im In- und Ausland durch Krisen, Konflikte und gesellschaftspolitischen Wandel, sodass sie Orientierung finden, eigene und kollektive Ressourcen aktivieren und handlungsfähig und wirksam bleiben.

    — arbeitet an der Schnittstelle von Bewegung, Achtsamkeit und kontemplativer Praxis.

    Leitung der Zazen-Praxis und der achtsamen Körperarbeit – erdend, wahrnehmungsorientiert und auf die Erfahrung von Einheit in Stille und Bewegung ausgerichtet.

    Als Yogalehrer, Körpertherapeut und langjährig Übender im Zen begleitet er Menschen dabei, über den Körper und die Stille einen Zugang zu innerer Sammlung, Präsenz und Verbundenheit zu finden. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks – jenseits von Konzepten, getragen von Atem, Haltung und wacher Wahrnehmung.

    Nach Studien der Astrophysik, Biologie und Musik (Violoncello) führte ihn sein Weg über die Kampfkunst Aikido (3. Dan) zum Zen sowie zu vielfältigen Aus- und Weiterbildungen in Yoga (RYT 2014), Pranayama, Yin Yoga, traumasensibler Körperarbeit, Nuad Thai Yoga, Shiatsu und Craniosacraler Praxis. Bewegung, Stille und künstlerischer Ausdruck bilden dabei eine zusammenhängende Praxis, die sich gegenseitig vertieft.

    Kontakt

    Wir freuen uns auf ihr Interesse und ein Kennenlernen.

  • Kinderveteranen

    Kinderveteranen

    Kinderveteranen

    Im August 2017, als der Junge nach drei Jahren Gefangenschaft zurückkehrte, sprach er wie seine Peiniger. Zieh dir etwas Anständiges an, sagte Paiwan zu seiner kleinen Schwester, wenn sie Leggins trug. Bedeck deine Haare, befahl er seiner Tante. Lest den Koran, trug er der ganzen Familie auf.

    Photography: Fridolin Schuster

    Text: Meret Michel

    Ein paar Wochen später fingen die Wutausbrüche des heute Zehnjährigen an. Was immer dem Jungen in die Hände kam, schmiss er seiner Familie entgegen. Oder er rannte nach draußen und setzte sich alleine unter der prallen Sonne in den Staub. Er fing an, seine Schwester zu schlagen, sagte, er wolle sie umbringen. Einmal bedrohte er sie mit einem Küchenmesser.

    Paiwan, dessen Nachname zu seinem Schutz und dem seiner Familie hier nicht genannt werden soll, ist einer von Tausenden Jesiden, die im August 2014 von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verschleppt wurden. Frauen und Mädchen wurden als Sklavinnen verkauft, Jungs in Trainingslager gezwungen und zu Kämpfern ausgebildet. Sie sollten für denselben Islamischen Staat in den Krieg ziehen, der ihre Mütter vergewaltigt und ihre Väter umgebracht hatte. Der UNO-Menschenrechtsrat verurteilte die Verbrechen des IS an den Jesiden als Völkermord.

    Anfang Februar starteten die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) im syrischen Baghus eine Offensive, um das letzte Dorf vom IS zurückzuerobern. Die SDF sind ein Zusammenschluss mehrerer Milizen verschiedener Ethnien. Sie kämpften in den vergangenen Jahren in Nordsyrien gegen den Islamischen Staat – logistisch und mit Waffen von den USA unterstützt. Ende März verkündete die SDF den Sieg über den IS. Damit ist das selbst ernannte Kalifat der Terrormiliz, zumindest als geografisches Gebiet, vorerst Geschichte. Doch der Schaden, den der IS in der Gesellschaft angerichtet hat, ist groß.

    „Der IS fokussierte sich mit seiner Terrorpropaganda stark auf Kinder”, sagt Ayad Salih, Vorsitzender des Irakischen Instituts für Entwicklung. Die NGO, die sechs Gemeinschaftszentren für traumatisierte Kinder in Mossul betreibt, hatte vergangenes Jahr dazu veröffentlicht.

    Der IS schrieb die Schulbücher um, gerechnet wurde nicht mehr mit Äpfeln, sondern mit Gewehrkugeln. Bei öffentlichen Enthauptungen wurden die Kinder in die erste Reihe gesetzt. Manche wurden zu Kämpfern ausgebildet und als Selbstmordattentäter eingesetzt. 51 Kinder sollen sich allein im Januar 2017 in Mossul in die Luft gesprengt haben, wie die Terrorexpertin Mia Bloom von der Georgia State University gegenüber dem „Economist” sagte. „Der IS hat den Nährboden hinterlassen für eine nächste Generation von Extremisten “, sagt Salih.

    Während die arabischen Kindersoldaten im Irak wie Erwachsene behandelt und ins Gefängnis gesperrt werden, kamen die befreiten jesidischen Kinder zurück zu ihren Familien, viele schwer traumatisiert, die Angehörigen überfordert. Sie stellen die Gesellschaft vor eine Frage: Wie mit Kindern umgehen, die gelernt haben, ihre Nächsten zu hassen?

    Das Haus der Familie von Paiwan, ein Rohbau, in dem die Fliesen schon gelegt sind, die Decke aber noch unverputzt ist, liegt auf halber Strecke zwischen der irakisch-kurdischen Hauptstadt Erbil und dem etwas kleineren Dohuk. Hier lebt er in Freiheit. Doch die drei Jahre, die Paiwan unter dem Islamischen Staat lebte, verfolgen ihn und seine Familie. So froh Paiwans Familie über seine Rückkehr ist – sie hat auch Angst vor ihm.

    Die Familie hat die jüngste Schwester vor ein paar Wochen zu ihren Verwandten in ein Lager für Geflüchtete in der Nähe gegeben. „Wir hatten Angst um sie wegen Paiwan”, sagt seine Tante Nisreen. „Offen gestanden hatte ich eine Zeit lang selber Angst vor ihm.”

    Nisreen sitzt in einem kleinen Zimmer neben dem Eingangsbereich. In gedämpftem Ton erzählt sie Paiwans Geschichte. Er selbst möchte nicht über das Geschehene reden. Einzig auf die Frage, warum er seine Schwester schlage, antwortet er: „Weil sie sich über mich lustig macht. Wenn sie das tut, werde ich wütend.”

    Die Familie stammt aus einem Dorf in der Region Sindschar nahe der syrischen Grenze. Als der IS Sindschar überrannte, wollten sie ins Gebirge fliehen. Doch der IS fing das Auto ab. Die Terroristen brachten Paiwan, seine Schwester, seine Mutter und seine Tante nach Mossul. Dort wurden sie getrennt.

    Die ersten Monate blieb Paiwan bei seiner Mutter und dem IS-Kämpfer, der sie gekauft hatte. Wenn sie den Raum verließ, fing er an, das Zimmer zu verwüsten. Einmal habe er versucht, es anzuzünden. Dafür brach ihm der IS-Kämpfer das Bein.

    Irgendwann trennte der IS Mutter und Sohn. Paiwan wurde in ein Trainingslager für Kinder gebracht. Dort herrschte ein brutales Regime: Als Paiwan einmal ein Stück von einer Seite des Koran abriss, bekam er zur Strafe eine Woche lang nur eine Mahlzeit am Tag, erzählte er später seinen Verwandten. Kämpfen musste er aber nie, sagt die Familie.Das Ziel der Familie: den Irak irgendwann verlassen

    Im Sommer 2017 kaufte die Familie Paiwan für mehrere Tausend Dollar und mithilfe eines jesidischen Schleppers frei. In den ersten Wochen in Freiheit schlief Paiwan kaum. Er weinte und verlangte nach seiner Mutter. Seine Tante Nisreen versuchte, ihn zu beruhigen: Seine Mutter würde bestimmt bald freikommen. Sie ist es bis heute nicht.

    Über 3.000 der 2014 verschleppten Jesiden werden bis heute vermisst. Ihre Familien wissen nicht, ob sie gestorben sind, ob sie immer noch unter dem IS leben oder ob sie von den fliehenden IS-Kämpfern erneut verschleppt wurden.

    Nach ein paar Wochen hörte Paiwan auf, wie die IS-Kämpfer zu reden. Wenn jetzt jemand über die Terroristen sprach, sagte er, sie sollten aufhören. Die Wutausbrüche blieben. „Wir wissen nicht, was wir mit ihm tun sollen”, sagt Nisreen. Sie selbst kämpft seit ihrer Entführung gegen Depressionen. Der Vater von Paiwan arbeitet als Tagelöhner, häufig in der Landwirtschaft – und schafft es, die Familie trotz Wirtschaftskrise zu ernähren. Sie hofft, dass ihre verschollenen Verwandten irgendwann doch freikommen. Dann, sagt Tante Nisreen, wollen sie den Irak verlassen. „Dieses Land ist für uns nicht sicher.”

    Das Mental Health Center liegt in einem ruhigen Viertel am Rand von Dohuk. Die Einrichtung ist auf die psychologische Betreuung von Kindern spezialisiert. Auch Paiwan kam einige Male hierher. Doch die Familie hat zu wenig Geld, um regelmäßig in die Stadt zu fahren.

    „Was ich in den letzten vier Jahren gesehen habe, kannte ich aus meiner ganzen Karriere davor nicht”, sagt Thikra Ahmed Muhammed. Die 42-Jährige arbeitet seit 2007 im Mental Health Center und ist heute die leitende Psychiaterin. Die Kinder sind wegen Angstzuständen und Aggressionsstörungen, wegen Depressionen und Suizidgedanken hier. Mindestens zehn Mal seien elfjährige oder jüngere Kinder ins Zentrum gekommen, nachdem sie versucht hatten, sich das Leben zu nehmen.

    Über Einzelgespräche und Gruppentherapien versuchten Ahmed und ihre Mitarbeiter, ihre Patienten wieder zu dem zu machen, was sie eigentlich sind: Kinder. „Wenn ein Kind wieder mit Freude sein Lieblingsspiel spielt, ist das ein Erfolg für uns.”

    Doch dem Zentrum fehlen die Mittel: Es ist staatlich subventioniert und der Krieg hat in Kurdistan eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Mittlerweile hat das Zentrum nicht mal mehr genug, um den Familien den Transport zur Klinik zu bezahlen. Das führt dazu, dass Kinder wie Paiwan zwar ein- oder zweimal zur Diagnose kämen, dann aber nicht mehr zur Therapie. Tahira Abdulrazaq, die ehemalige Kindersoldaten betreut, sagt: „Die Suizidversuche von Kindern sind ein Resultat davon, dass wir vier Jahre lang nichts in ihre psychologische Betreuung investiert haben.”

    Paiwan und sein Cousin sitzen auf dem Boden. Sie starren in einen kleinen Fernseher. Und dann verrät Paiwan doch noch etwas aus seiner Vergangenheit: Seit seiner Zeit beim IS interessiert er sich für Waffen. Wenn er einmal groß ist, sagt der Zehnjährige, will er Peschmerga-Kämpfer werden.

  • Kursprogramm 2026

    Kursprogramm 2026

    Meditationshaus Dietfurt Kursprogramm 2026

    acf field=”pre”

    Im Meditationshaus St. Franziskus erwartet dich ein wohltuender, stiller Rahmen für verschiedene Übungswege. Mittelpunkt und Herz unserer Kurse ist die Zen-Meditation, die sich in jedem Kursangebot wiederfindet.

    Anmeldung zu allen Kursen und weiterführende Informationen findest du auf der Website des Meditationshauses Dietfurt.

    Datum ⇂

    Kurs-/Beschreibung und Übungsleiter*innen ⇂

    02. – 05.

    Januar 2026

    ZEN-Übungstage & Achtsame Körperarbeit

    /

    Fridolin Schuster & Susanne Wallner

    Die Zen-Übungstage sind kürzer als unsere Zen-Kurse und legen die Kenntnisse des Einführungskurses zugrunde. Sie dienen der Übung des Zazen in Stille in Verbindung mit angeleiteter Körperarbeit. Die Zen-Übungstage umfassen etwa 8 mal 20 bzw. 25 Min. Zazen pro Tag.

    16. – 18.

    Januar 2026

    Glücklich wie ein Bambus (kurz)

    /

    Fridolin Schuster & Mira Czutka

    „Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg“ sagte Buddha. Das stimmt wohl für alle Erleuchteten und für die Begnadeten unter uns, die unter einem Glücksstern geboren wurden und von Natur aus mit einem sonnigen Wesen gesegnet sind. Ein Kurs für mehr Lebenszufriedenheit.

    04. – 12.

    April 2026

    Yoga & Meditation

    /

    Fridolin Schuster

    Eine achtsame (und viel einfacher zugängliche, als manche denken mögen) körperliche Praxis bereitet behutsam auf Atemübungen, Konzentration und Meditation vor. Die dahinterstehende Philosophie ist in unserer heutigen komplexen wie schnellen Welt nicht weniger aktuell und hilfreich als „damals“, wichtiger als Denken, Verstehen und das Wissen um Theorie darf aber der Praxisweg sein: Die unmittelbare eigene Erfahrung steht im Zentrum.

    04. – 10.

    Mai 2026

    ZEN-Aufbaukurs 1

    /

    Fridolin Schuster & Susanne Wallner

    Wenn du bereits über Erfahrung mit der Zen-Übung verfügst, könnte der Aufbaukurs das richtige Format für dich sein. Der Aufbaukurs umfasst 8 mal 20 Min. Zazen pro Tag, und ist für jede*n mit Vorerfahrung, etwa einem Einführungskurs, gut geeignet.

    31. Aug. – 06. Sept. 2026

    Glücklich wie ein Bambus (lang)

    /

    Fridolin Schuster & Mira Czutka

    „Es gibt keinen Weg zum Glück. Glücklich sein ist der Weg“ sagte Buddha. Das stimmt wohl für alle Erleuchteten und für die Begnadeten unter uns, die unter einem Glücksstern geboren wurden und von Natur aus mit einem sonnigen Wesen gesegnet sind. Ein Kurs für mehr Lebenszufriedenheit.

    05. – 11.

    Oktober 2026

    ZEN-Einführungskurs

    /

    Fridolin Schuster & Susanne Wallner

    Wenn du bereits über Erfahrung mit der Zen-Übung verfügst, könnte der Aufbaukurs das richtige Format für dich sein. Der Aufbaukurs umfasst 8 mal 20 Min. Zazen pro Tag, und ist für jede*n mit Vorerfahrung, etwa einem Einführungskurs, gut geeignet.

  • Flucht und Geschäft: Schlepper in Seenot

    Flucht und Geschäft: Schlepper in Seenot

    Flucht und Geschäft: Schlepper in Seenot

    Wer ist Opfer, wer Täter? Die Geschichte einer jungen syrischen Schleuserbande an der türkischen Küste.

    Photography: Fridolin Schuster

    Text: Meret Michel

    Vielleicht wollte Gott ihm eine Lektion erteilen, ihm, dessen Job es war, Menschen gegen Geld auf diese lebensgefährliche Reise zu schicken. Denn jetzt sitzt Asis, der sagt, nichts zu fürchten ausser Gott, zusammen mit fünfzig Flüchtlingen in einem kleinen Boot und hat Angst. Er umklammert das Steuer. Die türkische Küste verschwindet hinter ihm im Dunkeln. Der Wind wird stärker, Wellen schlagen gegen den Gummirand. Manche der Flüchtlinge schreien, andere weinen. Dann stockt der Motor.

    Die Geschichte von Asis*, 21 Jahre alt, Schlepper, beginnt 2013 in Hadschin, einer syrischen Kleinstadt am Euphrat zwischen Deir Essor und der irakischen Grenze. Heute ist die Stadt eine der letzten Enklaven, an denen der sogenannte Islamische Staat erbittert festhält. Damals kontrollierte die Nusra-Front die Stadt, unter ständigen Luftangriffen der syrischen Luftwaffe. Asis wollte raus, und er floh an einem Morgen, ohne seiner Familie Bescheid zu sagen, in die Türkei.

    Die Geschichte endet an jenem Abend im Februar 2018, als Asis mit fünfzig Flüchtlingen zwischen der Türkei und der griechischen Insel Samos in Seenot gerät. Dazwischen liegt eine Odyssee, von Syrien in die Türkei, von Adana nach Sanliurfa, von Izmit nach Istanbul und an die Westküste nach Izmir. Die Irrfahrt eines Jungen, der zu früh auf sich alleine gestellt war. Getrieben von der Enttäuschung, dass der Krieg ihm seine Zukunft gestohlen hatte, und im trotzigen Glauben, dass ihm etwas Besseres im Leben zusteht.

    Izmir, Januar 2018. Das Wetter ist gerade warm genug, Asis sitzt an einem Tisch draussen vor dem Restaurant. Er ist kaum einen Meter siebzig gross. Aber es sind der spärliche Bart, die runden, schwarzen Augen und die rote Baseballmütze auf dem Kopf, die ihn trotz seiner 21 Jahre wie einen Teenager aussehen lassen. “Eigentlich ist es ein Job wie jeder andere”, sagt Asis und pult ein Stück Fleisch von einem dampfenden Hühnerschenkel. “Die Leute wollen nach Europa, und wir bringen sie hin.” Neben ihm eilen Männer vorbei, der Verkehr staut sich, ein kleines Mädchen streckt Asis die Hand entgegen, er drückt ihr eine Münze in die Hand.

    Hat Asis keine Skrupel? Keine Angst, dass das Schiff kentert, dass die Menschen ertrinken, die er losgeschickt hat? 1360 Menschen starben in den vergangenen drei Jahren beim Versuch, von der Türkei aus nach Europa zu gelangen. Asis wischt sich die schwarzen Strähnen aus dem Gesicht und sagt im Ton eines Pauschalreisenverkäufers: “Wer mit uns losfährt, kommt auch an.”

    Vor sechs Jahren, als die Rebellen das syrische Regime von Baschar al-Assad aus seiner Stadt vertrieben hatten, beschloss Asis’ Vater, ein neues Haus zu bauen. Es hatte drei Etagen: ein kleines Café im Erdgeschoss und je ein Stockwerk für Asis und seinen älteren Bruder Saleh. Für später, wenn die beiden irgendwann heiraten würden. Das Geschenk eines wohlhabenden Vaters für die Zukunft seiner Söhne.

    Asis stapft einer schmalen Gasse entlang den Hügel hoch. Die geduckten Häuser strahlen morbiden Charme aus, und ein beissender Rauch wabert aus den Schornsteinen. Basmane ist eines der ärmsten Viertel Izmirs – statt mit Feuerholz heizen die BewohnerInnen, fast ausschliesslich KurdInnen aus dem Südosten der Türkei und syrische Flüchtlinge, mit Plastikabfällen.

    Nicht umsonst war Basmane 2015 der Knotenpunkt für rund 850 000 Flüchtlinge, die in jenem Jahr die griechischen Inseln erreichten und sich von dort aus weiter nach Deutschland, Schweden, in die Schweiz durchschlugen. “Die Kurden sagen nichts, wenn wir die Leute mit den Autos abholen und ans Wasser bringen”, sagt Asis. “Die wollen mit der Polizei selbst nichts zu tun haben.”

    Damals waren in “Little Syria”, wie das Viertel inoffiziell genannt wird, sämtliche Hotels ausgebucht. Tausende von Flüchtlingen warteten auf die Überfahrt, wer kein Geld für ein Zimmer hatte, schlief auf der Strasse oder auf einem der kleinen Plätze. Schlepper sprachen die Menschen auf offener Strasse an, in den Cafés verhandelten sie über Preise.Schleichen durch “Little Syria”

    Heute, zwei Jahre nachdem das Flüchtlingsabkommen zwischen der EU und der Türkei in Kraft getreten ist, ist das Geschäft schwieriger geworden. Mit dem Deal verpflichtete sich die türkische Regierung, konsequent gegen die Schlepper vorzugehen. Die Polizei kontrolliert die Strassen zwischen Izmir und den Küstenorten Cesme, Bodrum und Ayvalik, von wo aus die Flüchtlinge zu den griechischen Inseln ablegen. Auf dem Meer patrouilliert die Küstenwache. Doch die Schlepper sind immer noch da, schleichen über die belebte Hauptstrasse von “Little Syria” und verstecken sich vor der Polizei in den verwinkelten Gassen weiter oben.

    Vom Flüchtlingsabkommen mit der EU hat Asis noch nie etwas gehört. Er hat lediglich eine vage Idee davon, dass Europa die Grenzen geschlossen habe. Allzu sehr scheint es ihn allerdings nicht zu beschäftigen: “Wenn auf dem Weg eine Strassensperre ist, fahren wir einen Umweg. Wenn uns die Polizei erwischt, bezahlen wir sie, damit sie uns nicht verhaften.”

    Die Wohnung von Asis und seinem Bruder liegt auf halbem Weg den Hügel hoch, gegenüber einer Moschee und einem kleinen Supermarkt. Der Holzboden knarrt, die Wände sind rissig, und durch die Fenster zieht die Winterluft. Die Decke im Schlafzimmer wölbt sich wie ein Bauch, als krachte sie nächstens runter.

  • Flüchtlingspolitik: Ein Leben wie unter Toten

    Flüchtlingspolitik: Ein Leben wie unter Toten

    Flüchtlingspolitik: Ein Leben wie unter Toten

    Immer mehr Geflüchtete auf der griechischen Insel Lesbos leiden unter schweren psychischen Problemen. Eine Suche nach den Ursachen der Verzweiflung.

    Photography: Fridolin Schuster

    Text: Meret Michel

    Beinahe täglich geht Fadi Saleh die wenigen Schritte von Verzweiflung zu Hoffnung und wieder zurück. Er öffnet die Tür des Containers, in dem er mit seiner Familie lebt, läuft die schmale Metalltreppe hinab, die Strasse entlang, vorbei an Sommerzelten, an Kindern, die im Staub spielen, Männern, die am Boden gebrauchte Kleider verkaufen, bis zum hohen, mit Stacheldraht gekrönten Zaun. Dahinter: die europäische Asylbehörde EASO. Wie in einem Hochsicherheitstrakt. Vielleicht, hofft Saleh, würden die BeamtInnen ihm diesmal den schwarzen Stempel in den Ausweis drücken. Damit er diese verdammte Insel endlich verlassen kann.

    Wenn es dann heisst, er solle an einem anderen Tag wiederkommen, geht Saleh zurück, in seinem Ausweis noch immer den roten Stempel, der ihn auf Lesbos festhält. Mit jedem Tag wird die Verzweiflung grösser. «Ich denke oft daran, mich umzubringen», sagt er. Zweimal hat er es bereits versucht. «Wir leben hier sowieso schon wie die Toten.»

    15 000 Flüchtlinge sitzen derzeit auf den griechischen Inseln in der Ostägäis fest und warten ab, ob sie in die Türkei zurückgeschickt werden oder auf das griechische Festland reisen dürfen. In den Lagern fehlt es praktisch an allem: Wasser fliesst nur wenige Stunden täglich, der Strom fällt manchmal während Tagen aus. Für das Essen stehen die Leute stundenlang Schlange, auch Medikamente sind knapp.

    Willkommen im Gefängnis

    Hinter dieser trostlosen Kulisse entfaltet sich eine weniger sichtbare, dafür umso nachhaltigere Krise. Immer mehr Flüchtlinge leiden an psychischen Problemen: Panikattacken, Selbstverletzungen, Suizidversuche. Täglich. Die Hilfsorganisation Médecins Sans Frontières (MSF) schreibt in einem Bericht Mitte Oktober von einem «psychologischen Notstand»; auf einer mittlerweile geschlossenen Warteliste für PatientInnen mit schweren psychischen Problemen stehen über 500 Personen.

    Das ehemalige Militärareal Moria liegt fast malerisch in den Hügeln von Lesbos, einige Kilometer von der Küste entfernt zwischen Olivenbäumen und Steinmauern. Doch die dicke Betonmauer, Zaun und Stacheldraht lassen keine Missverständnisse zu: Das ist kein idyllischer Ort. Über 5000 Menschen leben zurzeit im Lager, Platz bietet es eigentlich für 2300. Durch das Gitter am Eingang sieht man Zelte, die sich direkt dahinter den Weg entlang reihen, der Gestank der Toiletten beisst in der Nase, der Bach daneben schäumt vor ausgelaufenem Shampoo. «Welcome to prison» hat jemand an die Mauer gesprayt. Willkommen im Gefängnis.

    Gerade ist im Container das Licht ausgegangen, Stromausfall, und Familie Saleh sitzt im Dunkeln: der achtzehnjährige Fadi, seine Mutter, sein älterer Bruder Muhammad und sein kleiner Cousin Bilal. Seit fast vier Monaten sind sie in Griechenland, geflohen vor dem Militärdienst in Syrien. «Als wir ankamen, dachten wir, wir könnten direkt weiterreisen», sagt Muhammad Saleh. Sie wollen zu ihrem jüngsten Bruder, der seit zwei Jahren mit seinem Onkel in Deutschland lebt. «Als sie uns nach Moria brachten, war ich geschockt. Ich hatte das Gefühl, ich bin wieder im Gefängnis.»

    Sieben Jahre Krieg in Syrien liegen hinter ihnen. Ihr Haus in Jarmuk am Rand von Damaskus ist zerstört. Ihr Vater wurde bei einem Bombenangriff getötet, Muhammad und Fadi verbrachten mehrere Monate in den Verliesen des syrischen Regimes.

    Fadi war vierzehn, als ihn der Geheimdienst aus dem Schulunterricht heraus verhaftete und drei Monate in Sednaja einsperrte, dem Militärgefängnis, das Amnesty International in einem Bericht als «Schlachthaus» bezeichnete. Viel erzählt er nicht von damals. Nur, dass er in Moria immer wieder von der Leiche träumt, die die Wachen einmal in seine Zelle warfen und drei Tage lang liegen liessen.

  • Refugee policy: A life like living among the dead

    Refugee policy: A life like living among the dead

    Refugee policy: A life like living among the dead

    Refugee policy: A life like living among the dead. More and more refugees on the Greek island of Lesbos are suffering from severe psychological problems. A search for the causes of despair.

    Photography: Fridolin Schuster

  • Trash picking in Mosul

    Trash picking in Mosul

    Trash picking in Mosul

    Children in Iraq remain highly vulnerable due to ongoing displacement and precarious living conditions. Children in Mosul, in particular, have suffered extreme trauma during the period of occupation and war in Mosul. Families face financial and economic problems and many children already have to earn money.

    Photography: Fridolin Schuster

  • Und plötzlich steht er vor dir

    Und plötzlich steht er vor dir

    Und plötzlich steht er vor dir

    Ashwaq Tallu wurde in Irak als Sklavin gehalten.
    Die junge Jesidin flieht nach Deutschland, beginnt eine Berufsausbildung. Doch dann meint sie, ihren Peiniger auf der Straße zu sehen – mitten in Schwäbisch-Gmünd.

    Photography: Fridolin Schuster

    Text: Meret Michel

    Als Ashwaq Tallu vor vier Monaten in Erbil aus dem Flugzeug stieg, der Hauptstadt der kurdischen Autonomiegebiete im Irak, war sie erleichtert. Drei Jahre zuvor hatte sie dieses Land verlassen, für immer, dachte sie damals. Sie war nach Deutschland gegangen, um den Mann zu vergessen, der sie drei Monate lang vergewaltigt und geschlagen hatte. Doch dann traf sie das IS-Mitglied wieder, auf der Straße in Schwäbisch-Gmünd. Ashwaq Tallu ist sich da ganz sicher.

    Seit vier Monaten lebt Tallu nun wieder bei der Familie in ihrer Heimat. Sie schläft in einem Zelt mit ihren Schwestern, die Tage verstreichen, ohne dass sie viel unternimmt. Zu tun gibt es hier ohnehin nichts: Tags brennt die Sonne auf die kargen Hügel rund um das Lager für Binnenflüchtlinge. Ein paar Kinder rennen über die staubige Straße, alle anderen Bewohner verstecken sich im Schatten.

    Ein Kühler bläst kalte Luft ins Zelt, die Wände sind mit gemusterten Decken behängt, karges Neonlicht beleuchtet den Raum. Tallu sitzt mit angewinkelten Beinen auf einer der Matratzen. “Ich wollte nicht länger in Deutschland bleiben”, sagt sie. “Ich fühlte mich nicht mehr sicher.”

    Seit Ashwaq Tallu ihre Flucht zurück ins Krisengebiet öffentlich machte, dient ihre Geschichte vielen Menschen als Beleg für lang gehegte Überzeugungen, wie vor allem in Internet-Kommentarfeldern nachzulesen ist. Rechtspopulisten sehen sich bestätigt, dass unter den Menschen, die in Deutschland Schutz suchen, jede Menge Extremisten sind. Andere zeigen auf die deutschen Behörden: War ja klar, sagen sie, dass einer Flüchtlingsfrau nicht geholfen wird, dass die Polizei Ausländer schnell abfertigt, wenn sie nicht Täter, sondern Opfer sind.

    Ashwaq Tallu selbst kriegt diese Diskussionen in ihrem Zelt im Nordirak nur am Rande mit. Sie erzählt hier lieber ihre Geschichte. 18 Jahre ist sie heute alt, sie gehört der religiösen Minderheit der Jesiden an. Sie ist eine von Tausenden jesidischen Frauen aus Sindschar, die die Terrormiliz Islamischer Staat 2014 verschleppt und versklavt hat. Die Islamisten bringen Tallu erst nach Syrien, dann zurück in den Irak. Schließlich wird sie von einem Iraker aus Bagdad gekauft, für hundert Dollar. Abu Humam nennt sich der Mann.

    Drei Monate lang lebt Tallu bei ihm, er vergewaltigt und schlägt sie, immer wieder. Bis ihr die Flucht gelingt.

    Über ein Sonderkontingent kommt sie 2015 nach Baden-Württemberg. Ihre Mutter und ihr kleiner Bruder folgen, später auch ihre Schwägerin und deren zwei Kinder. Tallu besucht die Berufsschule in Schwäbisch-Gmünd und findet Freundinnen, bald spricht sie fließend Deutsch. Sie steht kurz vor dem Hauptschulabschluss, danach will sie eine Ausbildung zur Krankenschwester anfangen. Die Erinnerung an die schreckliche Zeit in Gefangenschaft verblasst langsam – bis der 21. Februar kommt.

    Sie sei gerade auf dem Weg zum Einkaufen gewesen, erzählt Ashwaq Tallu, da habe sie bemerkt, wie ein Mann aus einem Auto steigt. Er habe eine Sonnenbrille getragen, doch sie habe ihn am Muttermal rechts über der Oberlippe erkannt. Dann habe er die Brille abgenommen und sei auf sie zugekommen. “Bist du Ashwaq?”, habe der Mann gefragt.

    Er ist Abu Humam, davon ist die junge Frau überzeugt. Der Mann, vor dem sie nach Deutschland geflohen ist – jetzt steht er hier vor ihr. “Nein”, habe sie geantwortet, “Sie verwechseln mich.” Doch Abu Humam habe nicht lockergelassen. Nachdem er zunächst Deutsch gesprochen habe, sei er ins Arabische gewechselt und habe gesagt, er wisse alles über sie.

    Wenige Tage später geht sie zur Polizei. “Nachdem ich meine Geschichte erzählt habe, sagte der Polizeichef, Abu Humam sei doch auch ein Mensch wie ich”, sagt Tallu – ein harter Vorwurf. Am Wochenende meldete sich jetzt Michael Blume zu Wort, der 2015 und 2016 das baden-württembergische Projekt für die Jesidinnen leitete. Er sagt, er halte die Geschichte für glaubwürdig, obwohl Tallus Erinnerungen wegen ihres Traumas auch verzerrt sein könnten. Blume bedauert ihre Ausreise, weist darauf hin, dass die Behörden ihr eine sichere Wohnung angeboten hätten. Tallu hingegen sagt, sie habe sich nicht ernst genommen gefühlt. Später hätten die Beamten ein Phantombild von dem Mann gezeichnet und ihr eine Telefonnummer gegeben. Falls sie ihn wieder sähe, solle sie anrufen.

    Sie habe Angst gehabt, auf die Straße zu gehen, sagt sie. Eineinhalb Monate wartet sie ab, in der Hoffnung, die Polizei würde Abu Humam fassen. Dann kehrt sie auf Drängen des Vaters zurück nach Kurdistan.

    Dort sitzt der Vater ihr nun im Zelt gegenüber und telefoniert. Seit Ashwaq Tallu sich entschieden hat, ihre Geschichte einer kurdischen Nachrichtenplattform zu erzählen, klingelt bei Hadschi Hamid Tallu unentwegt das Handy. Journalisten aus der ganzen Welt wollen mit seiner Tochter reden. Das ist für die Tallus auch ein Risiko. Die Familie von Abu Humam lebe noch in Bagdad, sagt Vater Tallu. “Wir sind hier nicht mehr sicher. Wir müssen auch dieses Land so schnell wie möglich verlassen.”

    Früher war Tallu, ein dünner, grauhaariger Mann mit ausgetrockneter Haut, der Vorsteher seines Dorfes, seine Familie führte mehrere Läden. 2014 verlor er alles, sein Haus, sein Auto, seine Geschäfte. 77 Mitglieder seiner Familie hätten die Terroristen verschleppt, erzählt er.

    Nur, wo dann, wenn selbst in Deutschland Gefahr drohen könnte? Ashwaq Tallu ist überzeugt, kein Einzelfall zu sein. “Es gibt viele jesidische Frauen in Deutschland, die ebenfalls ihren Peiniger getroffen haben”, sagt sie. “Und häufig wird ihnen nicht geglaubt.” Der Zentralrat der Jesiden berichtet Ähnliches, auch die Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal sagt, ihr seien mehrere Fälle bekannt. Seit 2015 hätten sich bei ihr immer wieder Frauen gemeldet, die berichteten, sie hätten ihre Peiniger gesehen, sagt Tekkal. “Es ist ein Armutszeugnis, wenn diese Frauen sich nicht einmal in Deutschland sicher fühlen.” Einmal sei es tatsächlich gelungen, einen IS-Kämpfer festzunehmen, der versuchte, als Flüchtling zu entkommen. Eine Jesidin in Deutschland habe ihn auf einem Bild erkannt und ihn dann den kurdischen Behörden gemeldet.

    In ähnlichen Fällen aber sind die mutmaßlichen Peiniger weiter in Freiheit. Manche dieser Fälle seien nicht weiterverfolgt worden, weil die Frauen Angst hatten, zur Polizei zu gehen, sagt Tekkal. Meist jedoch scheitert eine Festnahme daran, dass die Täter nicht gefunden werden können. Auch in Tallus Fall sei es bisher nicht gelungen, anhand der Schilderungen eine konkrete Person zu identifizieren, teilt eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft mit. Die Ermittlungen, heißt es am Montag, liefen jedoch weiter.

    Und so ist Ashwaq Tallus Geschichte vor allem ein Beispiel für das Dilemma, in dem deutsche Strafverfolger stecken, wenn es um Verbrechen geht, die in den Kriegswirren von Syrien und Irak geschehen sein sollen: Die Suche nach Tätern, die möglicherweise unter falschem Namen nach Deutschland gekommen sind, ist fast unmöglich. Und selbst wenn eine Identifikation gelingt, fehlen häufig gerichtsfeste Beweise, die für ein rechtsstaatliches Verfahren zwingend sind.

    Ashwaq habe am Anfang kaum geschlafen, nachdem sie zurück nach Kurdistan gekommen sei, erzählt ihr Vater. Sie selber sagt wenig darüber, wie es ihr im Moment geht. Nur dass sie im Irak nicht bleiben will. “Zurück nach Deutschland gehe ich aber auch auf keinen Fall.”

  • Peace Education Meets Religion

    Peace Education Meets Religion

    Peace Education Meets Religion

    A manual for multipliers

    This manual seeks to support faith-based multipliers who intend to strengthen the peace potential of religions by inspiring and training interested people and groups using peace education methods and approaches.

    Responsible for layout, graphic design, translation (german, hebrew, arabic, english, french).

    Authors: Cora Bieß, Dagmar Nolden

  • erinnerungszeit.com

    erinnerungszeit.com

    erinnerungszeit.com

    Was können wir von Solidarität und Widerstand verfolgter Gruppen während der NS-Zeit für den Umgang mit Hass und Hetze Heute lernen?

    Unterstützen Sie Ben und seine Freund*innen bei ihrer Mission dem Hass in ihrem Wohnhaus etwas entgegenzusetzen. Testen Sie, ob die Visual Novel in Ihren Unterricht oder Ihre außerschulischen Bildungsangebote passt.

    Go to https://www.erinnerungszeit.com/